Tag 43 (T: 98 Km / G: 3232 Km)
Gestern ist mir etwas passiert, das ich noch nie erlebt habe: Ich musste eine Kaution von 20 Euro für das Camping-Armband bezahlen. Um die Kaution zurückzubekommen, muss ich es am Abreisetag an der Rezeption zurückgeben. Da die Rezeption erst um 9 Uhr öffnet, brauche ich mich morgen nicht zu beeilen und stehe erst um halb acht auf.
Kurz vor neun Uhr, startklar, warte ich vor der Rezeption. Sie öffnet pünktlich, und nachdem der Zettel mit meinem Namen und das Kuvert mit den 20 Euro gefunden wurden (es dauerte nur 10 Minuten), fahre ich los.

Heute ist ein bewölkter und windiger Tag, die Temperaturen liegen um die 20 Grad, später können sie auf 24 Grad steigen. Der Wind kommt von Westen – ungünstig für meine Route, die in Richtung Nordwesten führt.

Gegen 10 Uhr komme ich nach La Rochelle. Der EV1-Radweg führt um die Stadt herum, was mich überrascht. Ich habe La Rochelle vor etwa 30 Jahren besucht und fand die Altstadt mit dem alten Hafen sehr sehenswert. Ich biege also von der Route ab und fahre in die Altstadt von La Rochelle.



Was ich jetzt sehe, ist anders als in meinen Erinnerungen. Damals sah es aus wie eine fertige Kulisse für einen Piratenfilm. Die Häuser rund um den Hafen waren farbenfroh und lebendig, man hatte das Hafenbecken als Mittelpunkt immer im Blick. Heute wirken die alten Häuser alt und grau, und die Restaurants und Bars stellen ihre Tische immer breiter auf. Alles wirkt größer, irgendwie anders. Vielleicht liegt das an dem nicht mehr so sonnigen Tag? Oder ich idealisiere meine Erinnerungen? Es ist doch lange her.





In einer Seitengasse finde ich eine kleine Brasserie und esse ein Sandwich. Dann nehme ich noch ein Rosinengebäck und einen Kaffee. Gegen halb zwölf fahre ich aus der Altstadt raus und versuche, die EV1 wiederzufinden.
Es ist aber nicht so einfach, wie ich gedacht habe. Erst an einer Brücke komme ich wieder auf den EV1-Radweg, kurz danach verliere ich ihn aber schon wieder und lande auf einer viel befahrenen Straße. Ich muss in Richtung Küste fahren, da muss auch die EV1 sein. An einer Kreuzung fahre ich dann Richtung Westen. Jetzt habe ich vollen Gegenwind.
Nach 30 km komme ich an einem Supermarkt vorbei. Ich mache eine längere Pause und kaufe mir was zu trinken (meine Trinkflaschen sind leer) und etwas fürs Abendessen. Ich werde jetzt nach einem Campingplatz suchen. Auf den nächsten 30 km entlang des Weges zur Küste gibt es einige Campingplätze. Es ist gerade kurz nach 16 Uhr, vielleicht wird einer passen.
Ich fahre dann weiter in diese Richtung und versuche, möglichst weit zu kommen. Plötzlich taucht die EV1 wieder auf. Bis zu einem Campingplatz sind es nur noch 5 km, das passt gut, dann versuche ich dort.
Am Campingplatz bin ich um halb sieben angekommen. Die Rezeption ist aber schon geschlossen. Ich frage im Restaurant neben der Rezeption, ob ich trotzdem hier mein Zelt aufstellen darf. Ein junger Mann erklärt mir, in welchem Bereich noch freie Plätze sind. Dort kann ich bleiben und morgen in der Rezeption bezahlen.


Die Rezeption öffnet morgen um neun Uhr. Dann brauche ich mich in der Früh nicht zu stressen.
