Tag 21 (T: 86 Km / G: 1771 Km)
Auf dem Campingplatz herrschte eine nette und lockere Atmosphäre. Neben den normalen Urlaubern war hier eine große Schülergruppe aus Deutschland. Für mein Zelt wurde mir ein Platz in der Nähe dieser Gruppe zugewiesen. Leider. Die jungen Leute haben sich viel zu erzählen gehabt und sind zwischen ihrem Bereich und den Schaukeln hin und her spaziert. Ich hörte jeden Schritt auf dem Kies und bin erst gegen zwei Uhr eingeschlafen.
Auch heute habe ich es geschafft, um 9 Uhr auf der Strecke zu sein. Heute soll ich es schon bis Barcelona schaffen. Ich freue mich auf den morgigen Ruhetag in Barcelona.
Zuerst führt mich die Route auf einen Radweg nah am Strand. Zu dieser Zeit sind schon viele Leute unterwegs und kreuzen den Radweg. Ich muss vorsichtig und nicht zu schnell fahren. Dazu verläuft dieser Weg auf Sand, und ein Fahrrad auf sandiger Straße ist keine gute Mischung. Ich entscheide mich, diesen Radweg zu verlassen und auf der Hauptstraße weiterzufahren.
Die Hauptstraße N-II führt direkter nach Barcelona. Und Fahrräder sind hier nicht verboten. Es steht dort sogar ein Schild, das die Autofahrer auffordert, den notwendigen Abstand von 1,5 m beim Überholen der Radfahrer einzuhalten.
Auf der N-II geht es zügig voran. Auch viele Rennradfahrer sind heute unterwegs. Solange die hier fahren, kann ich das auch. Die meisten von ihnen grüßen mich respektvoll beim Überholen.
Die Entfernung nach Barcelona schmilzt und die Straßenschilder zeigen immer weniger Kilometer bis dahin. In Montgat, 15 km vor Barcelona, endet aber die N-II und ich muss wieder auf die Strandstraße. Hier ist sie aber asphaltiert und nicht so nah am Strand.
Der Campingplatz liegt außerhalb und auf der anderen Seite der Stadt, ich muss erst einmal durch Barcelona durchfahren. Barcelona ist sehr groß und die Fahrt dauert. Ich bin schon in der Mitte der Stadt, aber zum Campingplatz muss ich noch 30 km fahren.
In Barcelona scheint das Fahrrad ein privilegiertes Verkehrsmittel zu sein. Aber mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren, muss gelernt werden. Erst nach einigen Kilometern merkte ich, dass man bei einer gelben Ampel nicht anhalten muss und die rote ein Angebot ist. Man sollte schon halten, aber wenn frei ist, darf man auch weiterfahren. Das, was mich aber sehr stört, sind die steilen Rampen, auf denen man mit dem Fahrrad stark durchgeschüttelt wird.




Als ich immer noch 20 km zu fahren habe, entscheide ich mich in einem Außenbezirk der Stadt, in einer Tapas-Bar zu essen. Gerade sind zwei Spanier vom Tisch aufgestanden und haben viele der Tapas stehen gelassen. Ich merke erst jetzt, dass auf der Karte hauptsächlich asiatische Speisen stehen. Ich weiß nicht, ob die Spanier keinen Hunger gehabt haben oder ob die Tapas nicht gut waren. Bevor ich jedoch das erfahren werde, habe ich mich für gebratene Entenbrust mit Mie-Nudeln entschieden. Ich habe eine ordentliche Portion bekommen und die war auch gut.
Der Weg im Navi zum Campingplatz endete vor einem geschlossenen Tor. Von dieser Seite komme ich nicht rein und musste einen Kilometer zurück, um über die Schnellstraße von der anderen Seite zur Rezeption zu gelangen. Ich sehe jedoch auf der Karte, dass in der Nähe der Zugang vom Campingplatz zum Strand ist. Ich habe Glück und werde von einem Camper aus München reingelassen.


Als ich aus der Packtasche das Zelt rausnehme, löste sich vom Fahrrad ein Teil des Gepäckträgers. Ich habe mir schon seit Langem Sorgen gemacht, wie lange die Packtaschen den Erschütterungen standhalten. Aber dass der Gepäckträger bricht, habe ich nicht einkalkuliert.

Jetzt muss ich alle meine Sachen kritisch betrachten und möglichst viel aussortieren, damit ich den Rest in drei Packtaschen unterkriege. Wie mir Roland, den ich auf dem Weg getroffen habe (er wanderte mit kleinem Rucksack den Weg von Marseille nach Freiburg), gesagt hat: Man hat immer viel zu viel dabei.
Ich sortiere alles aus, was nicht wirklich (!) notwendig ist oder kaum genutzt wird, und werde das morgen mit der übrigen Packtasche nach Hause schicken.
Zum Schluss gehe ich noch im Meer baden, bis zum Sonnenuntergang ist noch ein bisschen Zeit.
