tag 15 (T: 111 Km / G: 1254 Km)
Der Campingplatz in Avignon gehört zu den schlechtesten, die ich je besucht habe – ungepflegte Parzellen und eine kleine Sanitäranlage. Als ich gestern Abend eine ebene Stelle für mein Zelt gesucht habe, bemerkte ich in der Erde einige Löcher, aus denen Ameisen herauskamen.
Ich wache um sieben Uhr auf; die Ameisen sind zum Glück nicht in mein Zelt eingedrungen. Ich packe alles zusammen und um neun Uhr rolle ich schon wieder den Rhône-Radweg entlang. Das Wetter ist gut für Fahrradtouren – 19 Grad, leicht bedeckter Himmel, kein Regen. In Tarascon verlasse ich die Rhône und fahre dann Richtung Montpellier.


Gestern habe ich immer wieder einen US-Amerikaner getroffen, der mit einem Klapprad unterwegs ist. Sein Klapprad hat relativ große Räder (24 Zoll) und ist aus Titan. Er kann es problemlos als Handgepäck mit in den Zug nehmen und auch als Gepäck (verpackt) aufgeben, falls er fliegt.
Und er ist mit ganz wenig Gepäck unterwegs, obwohl er auch auf Campingplätzen übernachtet. Das gibt mir zu denken: Warum habe ich so viel Gepäck dabei? Vielleicht sollte ich mein Gepäck durchsehen, einiges aussortieren und nach Hause schicken?
Der Amerikaner ist Bauingenieur und begeistert von den Brücken in Frankreich. „Die besten Maschinen bauen die Deutschen, aber die Franzosen bauen die besten Brücken“, sagt er mir. Vielleicht hat er sogar recht.
Er fährt mit dem Fahrrad bis zur spanischen Grenze und dann mit dem Zug nach Bordeaux. Von dort geht es wieder mit dem Fahrrad nach Lyon, von wo aus er seinen Rückflug in die USA hat. Unsere Route ist bis zur spanischen Grenze fast identisch. Vielleicht treffe ich ihn noch einmal? Wenn nicht heute, dann vielleicht an den nächsten Tagen.
Kurz nach elf kommt die Sonne heraus und es wird richtig sommerlich. Ich fahre jetzt entlang eines Kanals und der Radweg hat keinen Schatten. Das habe ich nicht erwartet und heute noch keinen Sonnenschutz aufgetragen. Das hole ich jetzt nach.
Um 13 Uhr komme ich nach Saint-Gilles. Ich habe langsam Hunger. Außer einer kleinen Portion Müsli mit Joghurt auf dem Campingplatz habe ich in der ersten Ortschaft nur einen Kaffee und ein Rosinenbrötchen gegessen. Als ich an einem Restaurant vorbeifahre, entscheide ich mich, hier zu Mittag zu essen. Ich nehme das Tagesmenü und mache eine längere Pause. Erst nach einer Stunde fahre ich weiter.




Ich fahre wieder eine Kanal-Route, die zur ViaRhôna gehört. Die Luft riecht schon nach Meer und der Gegenwind wird stark.

Nach einer Stunde komme ich nach Aigues-Mortes.


Von dort geht es weiter durch die Camargue, vorbei an Flamingos.

Dann kommen Ortschaften mit riesigen Hotels und vielen Urlaubern. Es ist Zeit für mich, nach einer Bleibe für die Nacht zu suchen. Die Nacht soll warm werden und es ist kein Regen in Sicht, also werde ich wieder im Zelt schlafen.
Beim ersten Campingplatz gibt es keine Zeltplätze. Warum sich der Platz „Camping“ nennt, ist mir unklar. Hilft aber nichts, ich muss weitersuchen. In 5 Kilometern gibt es einen weiteren Campingplatz, danach noch zwei andere. Auf irgendeinem werde ich mein Zelt schon aufstellen können.
Ich habe Glück und finde schon auf dem nächsten einen Platz. Ich bin froh, denn viel weiter wollte ich eigentlich nicht mehr fahren. Heute waren es 110 Kilometer.

Nachdem das Zelt aufgebaut und ich geduscht bin, gehe ich noch kurz an den Strand.

