tag 16 (T: 78 km / G: 1332 Km)
Die Nacht war warm und angenehm. Ich bin um sieben aufgewacht und wollte schnell packen und losfahren. Die Sonne stand aber noch tief und es hat ein bisschen gedauert, bis das Zelt trocken war. Die Tage fangen in Frankreich doch später an. Kurz nach acht hat die Sonne ihre Kraft entfaltet und um neun bin ich gestartet.
Mir ist aufgefallen, dass mir gar nicht bewusst ist, welcher Wochentag heute ist. Ich muss die Tage im Bericht erwähnen, um das Zeitgefühl wiederzubekommen. Und auch, wie viele Kilometer ich bereits gefahren bin.
Heute wollte ich die Stadt Montpellier besuchen, dann geht’s weiter Richtung Perpignan. Nach wenigen Kilometern komme ich an eine Kreuzung: Meine geplante Route führt nach links, aber nach Montpellier soll es jetzt nach rechts gehen, 12 km. Aus welchem Grund auch immer – mein Reiseplan hatte Montpellier nicht berücksichtigt. Ich entscheide mich, das zu ändern und doch ins Stadtzentrum zu fahren.
Die Stadt ist groß; ich brauche eine Stunde, um in der Altstadt anzukommen. Auf dem Weg wollte ich einen Kaffee trinken und ein Rosinengebäck dazu essen. Erst um 11 Uhr habe ich in einer Bar in der Altstadt den Kaffee bekommen – und statt eines Rosinenbrötchens ein riesiges Croissant.


Die Klientel in der Bar hat schon zu dieser frühen Stunde ordentlich Bier oder Kaffee „mit Schuss“ bestellt, und noch bevor ich mit meinem Frühstück fertig war, fingen sie an, mit der Barfrau zu singen.




Ich habe mein Fahrrad ab jetzt geschoben und die Atmosphäre der Stadt auf mich wirken lassen. Es war sehr angenehm, durch die Gassen zu laufen. Fast wollte ich heute hierbleiben und mir wieder einen Tag Regenerationspause gönnen. Geplant habe ich das erst in Barcelona. Bis dahin brauche ich wahrscheinlich noch vier Tage.



Vom Place de la Comédie aus habe ich versucht, auf dem Fahrrad aus der Stadt auf meine Route zurückzufinden. Um 13 Uhr hatte ich endlich die stark befahrenen Straßen Richtung Autobahn hinter mir.

Auf den Landstraßen und später auf den Radwegen komme ich immer wieder an Gruppen von Flamingos vorbei. Der ganze Tag war sehr sonnig und auf den Radwegen gab es keinen Schatten. Nur die frische Meeresbrise bringt ein bisschen Abkühlung. Seit einer Stunde halte ich Ausschau nach einem Rastplatz, um meine Brotzeit zu essen. Es gab nur Bänke, die jedoch voll in der Sonne standen.




Um 15 Uhr bin ich in Sète angekommen. Ich steige vom Fahrrad ab und schiebe es auf dem schattigen Gehweg, der voll von Touristen ist. Erst auf den Treppen einer Kirche habe ich mich mit meinem Essen ausgebreitet. Hier war es schattig und ein bisschen abseits der Fußgänger.
Heute versuche ich, ein bisschen früher einen Campingplatz zu finden. Der nächstmögliche ist 15 Kilometer weit weg. Danach kommen noch einige in ein paar Kilometern Abstand.
Am Nachmittag wird die Brise immer stärker. Die 15 km waren ein Kampf gegen den Wind. Der erste Platz war wieder kein Campingplatz zum Zelten, sondern eine Anlage mit Mobilheimen zum Mieten. Für einen neuen Versuch musste ich weitere 5 km gegen den Wind ankämpfen.

Es hat sich aber gelohnt: Für Radfahrer gibt es eine kleine Fläche mit eigenem Sanitärgebäude, eine überdachte Küche mit Tischen und Stühlen und sogar eine Reparaturstation für Fahrräder.




Nachdem ich mein Zelt aufgebaut habe, gehe ich im Meer baden. Das Wasser ist sehr erfrischend, aber ich bin mutig in das kühle Nass gesprungen. Es war herrlich!

Und heute habe ich auch endlich meine Klamotten gründlich gewaschen. Endlich.
