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2026-06-05, Freitag

Tag 32 (T: 72 Km / G: 2558 Km)

Gestern bin ich früh eingeschlafen und heute schon um sechs Uhr wach. Ohne Eile habe ich mich für die weitere Reise vorbereitet – trotzdem in Rekordzeit, denn um halb acht bin ich schon auf dem Weg.

Mein Tacho-Thermometer zeigt 17 Grad. Es ist ein frischer Morgen, also ziehe ich mir die Weste an. Unterwegs geht die Temperatur noch weiter runter, angezeigt wurden sogar nur 13 Grad. Die Sonne steht noch tief und wirft lange Schatten. Ich bereue es ein bisschen, dass ich die Ärmlinge nicht angezogen habe, aber ich fahre gerade auf der Hauptstraße mit viel Verkehr, und hier kann ich nicht anhalten.

Erst in Fontanar verlasse ich die Hauptstraße und fahre in den kleinen Ort rein. Das war auch langsam nötig, da der Verkehr inzwischen stark zugenommen hat. Hier habe ich auf ein Frühstück gehofft, leider habe ich nur eine Bar-Pub gefunden. Zu dem Americano konnte ich nur zwei einzeln verpackte Muffins (aus dem Supermarkt) bekommen – besser als nichts.

Die weitere Fahrt führt auf Nebenstraßen durch Industriegebiete in Richtung Madrid. Manchmal gibt es kurze Verbindungsstücke auf Schotterwegen, aber alles verläuft eigentlich sehr gut. Nur die großen Autobahnkreuzungen zu umfahren, ist eine schwere Aufgabe. Die Führung der Radwege ist meistens unübersichtlich und ich brauche mehrere Anläufe, um den richtigen Weg zu finden.

Nach etwa 50 km, in einem Vorort von Madrid, fahre ich an einer Bar vorbei. Es ist schon 11 Uhr und mein Magen verlangt inzwischen stark nach richtigem Essen. Es ist auch Zeit für eine längere Pause. Ich halte dort an und bestelle mir ein Sandwich und dazu einen Americano. Das Sandwich wird hier mit einer Art Pommes serviert. Trotzdem habe ich immer noch Hunger und nehme danach noch einen Käsekuchen und noch einen Americano.

Jetzt, gut gestärkt, kann ich weiterfahren. Bis nach Madrid ist es nicht mehr weit, aber den Campingplatz habe ich erst ab morgen gebucht. In Madrid wird eine Übernachtung jetzt teuer, also suche ich etwas außerhalb. In San Fernando gibt es ein günstiges Hotel, das sogar schon ab 12:30 Uhr den Check-in anbietet. Das passt gut, dann kann ich mich dort einquartieren und mit den ÖPNV nach Madrid fahren.

Um 13 Uhr komme ich am Hotel an. Die 72 km habe ich heute schnell geschafft. Hier gibt es keinen extra Raum für Fahrräder, aber ich bekomme ein größeres Zimmer im Erdgeschoss, sodass ich mein Fahrrad mit ins Zimmer nehmen kann.

Frisch geduscht gehe ich zur Metro-Station, die wenige Meter vom Hotel entfernt ist. Von meinem Ergotherapeuten, der kürzlich in Madrid war, habe ich eine aufladbare Fahrkarte für die Madrider Metro bekommen. Die lade ich an einem Automaten gleich mit 10 Fahrten auf. Ich bleibe schließlich doch bis Dienstag in Madrid.

Bei mir hat sich inzwischen die Idee festgesetzt, mit dem Zug statt mit dem Fahrrad nach San Sebastián zu fahren. Die spanische Bahn schreibt auf ihrer Internetseite, wie einfach es ist, mit dem Fahrrad im Zug unterwegs zu sein. Das wollte ich jetzt prüfen und eventuell umsetzen. Deshalb möchte ich zum Bahnhof Chamartín fahren, wo die Züge in Richtung Norden starten. Laut Netzplan muss ich erst mit der Linie 7 bis Gregorio Marañón und dann 5 Haltestellen mit der Linie 10 fahren. Das sieht ziemlich einfach aus, die Umsetzung war es aber nicht. Die Linie 7 fährt von San Fernando aus gar nicht so weit durch, wie ich dachte. Die Station Estadio Olímpico ist eine Zonenwechsel-Station (!) und hier muss man von der Linie 7 in die (nächste) Linie 7 umsteigen, die weiterfährt. Das habe ich erst kapiert, als mein Zug (Linie 7) wieder zurückgefahren ist. OK, an der nächsten Haltestelle aussteigen, den Bahnsteig wechseln und zurück. Das war noch einfach und ging, ohne dass ich die Zugangsschranken passieren musste.

An der Station Estadio Olímpico angekommen, versuche ich jetzt durch die Schranken zum Gleis zu kommen, wo der weiterführende Zug der Linie 7 einfährt. Leider lässt mich meine Karte mit noch 9 verfügbaren Fahrten nicht durch und zeigt Rot. Erst später erfuhr ich, dass ich die 10 Fahrten nur für den Außenbereich gekauft hatte, da ich die Karte in San Fernando aufgeladen habe. Den Hinweis habe ich beim Aufladen leider nicht bemerkt – wahrscheinlich war er auf Spanisch, wenn überhaupt.

Auf dem Weg zum Bahnhof Chamartín habe ich noch weitere Hürden zu überwinden, letztendlich bin ich dort nach zwei Stunden angekommen. Jetzt darf ich in der Halle, wo die Tickets verkauft werden, eine Nummer ziehen und warten, bis ich an der Reihe bin. Nach einer halben Stunde darf ich mein Anliegen schildern. Die nette Dame spricht nur Spanisch, ich aber nicht. Wir strapazieren wieder die Übersetzungs-App und zum Schluss erfahre ich, dass ich ein Fahrrad nur dann im Zug mitnehmen kann, wenn es in einer Transportbox verpackt ist. Das ist selbst in Regionalzügen so. Das habe ich mir anders vorgestellt. Da ist die Deutsche Bahn dann doch weiter als die spanische.

Stark enttäuscht verlasse ich die Halle. Ich muss also doch auf dem Fahrrad weiterstrampeln. Die Reise durch Spanien zieht sich länger hin, als ich gedacht habe, und momentan sehe ich keine Möglichkeit, das zu ändern.

Jetzt fahre ich mit der Metro zum Sol und ab jetzt lade ich auf die Fahrkarte nur noch die eine Fahrt, die ich gerade brauche. Ich komme aus der Metro an der Puerta del Sol und möchte unbedingt etwas essen. Was ich heute alles gegessen habe, war nicht viel, und es ist bereits 18 Uhr. Gleich in einer Seitenstraße sehe ich ein Angebot: „All you can eat“ – und das ist genau das, was ich heute brauche.

Gut gesättigt kann ich mir jetzt Madrid anschauen. Hier zeigt Madrid seine schöne Seite. Ich bin begeistert von der Atmosphäre und den Gebäuden ringsherum.

Diese Stadt gefällt mir sehr. Sie wirkt nobel und stolz, aber auf eine ruhige Weise. Ich spaziere durch die Straßen rund um die Puerta del Sol bis zum Plaza Mayor.

Inzwischen ist es schon 20 Uhr und die Fahrt zurück zum Hotel wird bestimmt dauern. Ich mache mich jetzt auf den Weg. In San Fernando bin ich gegen 21 Uhr angekommen.

Auf dem Platz zwischen Metro und Hotel spielt eine Band. Eine nette Überraschung! Ich stelle mich zu den vielen Leuten dazu und genieße das Konzert. Kurz vor 22 Uhr gehe ich dann aber doch zum Hotel – der Tag war lang und ich bin müde. Im Zimmer höre ich noch die Musik bis Mitternacht, dann ist Schluss.