Tag 6 (T: 97 Km / G: 483 Km)
Ich war um sieben Uhr wach und habe mich gewundert, dass es so ruhig war. Die Nacht war nicht kalt, ich habe gut geschlafen.
Heute ist ab 12 Uhr Regen angesagt. Ich wollte deswegen so früh wie möglich losfahren, aber das Zusammenpacken dauerte einfach seine Zeit. Und auch das Frühstück noch. Gestartet bin ich um halb zehn.

Es ist noch trocken, der Himmel ist leicht bedeckt, keine pralle Sonne und die Temperatur liegt bei etwa 20 Grad. Das passt perfekt für Fahrradtouren. Ich fahre jetzt die Rhein-Rhône-Kanal-Route. Es gibt in Frankreich ganz viele Radwege an den alten Kanälen. Diese sind flach, haben einen guten Asphalt und lassen sich schnell fahren.

Was aber nicht gut passt, ist der Gegenwind. Am Anfang war er noch schwach, wurde mit der Zeit aber immer stärker. Ich kann kaum schneller als 20 km/h fahren, meistens bin ich bei etwa 17 km/h. Es ist zäh, voranzukommen. Trotzdem sind heute viele Radfahrer unterwegs. Es ist doch Sonntag. Viele Rennradfahrer und auch E-Bike-Fahrer überholen mich.

Der Regen verspätete sich und kam erst um 14 Uhr. Da sank auch die Temperatur deutlich. Jetzt sind es 16 Grad, es fühlt sich aber kälter an. Ab 15 Uhr sind kaum noch Radfahrer unterwegs. Auch in den Ortschaften ist kaum jemand zu sehen.
Heute Nacht und den ganzen morgigen Tag wird es an meiner Strecke regnen. Und es wird noch kühler. Ich mag bei solchen Verhältnissen nicht in meinem Sommerzelt schlafen. Ich fahre an einem Campingplatz vorbei und werde mir eine andere Möglichkeit zum Übernachten suchen. 25 km weiter gibt es ein Bed & Breakfast, das besonders für Radfahrer geeignet ist. Das gefällt mir, und ich fahre dorthin weiter.
Um halb sieben komme ich an. Ein junger Mann begrüßt mich, sichtbar zufrieden, dass ich hier übernachten will.


Ich bin heute der einzige Gast; das Frühstück habe ich für 8 Uhr vereinbart. In dieser kleinen Ortschaft gibt es keine Restaurants und auch keinen Supermarkt, was zu dieser Zeit am Sonntag jedoch ohnehin ohne Bedeutung ist. In der Unterkunft gibt es aber eine Gemeinschaftsküche. Dort befindet sich eine Vitrine mit ein paar Produkten, aus denen man sich etwas zum Abendessen machen kann. Ich nehme eine 250-g-Packung Nudeln und ein rotes Pesto und koche mir mein Abendessen. Dazu zwei Fläschchen Bier. Alles zusammen für 10 Euro.
