Tag 8 (T: 97 Km / G: 693 Km)
Das Zimmer ist klein, aber funktionell ausgestattet mit einem Doppelbett. Die Heizung kann man aufdrehen und es wird auch warm; aus der Dusche läuft ebenfalls heißes Wasser.
Geschlafen habe ich sehr gut und schon um halb sieben war ich wach. Um das Frühstück nicht zu verschlafen, habe ich mir gestern ausnahmsweise den Wecker auf acht Uhr gestellt. Jetzt döse ich noch im Bett bis sieben.
Das Frühstück ist eher französischer Art: viele Konfitüren, nur Weißbrot und Brötchen, aber in der Kühlvitrine gibt es auch ein bisschen Käse und Schinken.
Um halb zehn geht es los. Es ist sonnig, aber kalt; mein Thermometer zeigte gerade 13 Grad an. Ich habe heute mehrere Schichten angezogen und auf die Regenjacke verzichtet – jedoch nicht auf die langen Badehose. Mir ist gar nicht zu warm, da der Fahrtwind deutlich kühlt. Heute habe ich noch keinen Gegenwind und es fährt sich gut. Ich halte ein hohes Tempo und fühle mich sehr gut. Heute könnte wieder ein Tag mit mehr als 100 Kilometern werden.
Nach 25 km ändert sich die Qualität der Straße. Es wird holprig und schnelles Fahren wird unangenehm. Später wurde aus dem Asphalt ein Kiesweg. Jetzt ist auch noch der Rollwiderstand größer.
Nachmittags, so ab 13 Uhr, beginnt der Hunger sich zu melden. Ich bin an einer Stelle vorbeigefahren, die so etwas wie ein Rastplatz sein sollte, aber sie hat mir nicht gefallen. Ein entgegenkommender Herr mit Rucksack hat mich beobachtet und meine Enttäuschung registriert. Er gibt mir den Hinweis, dass in der Ortschaft, in etwa 1 km Entfernung, ein guter Rastplatz mit einer Wasserquelle sei.
Wir kommen ins Gespräch und ich erfahre, dass Roland zu Fuß die Welt erkundet. Er nennt das auch nicht Wandern, sondern „Spazieren“. Roland ist in Marseille gestartet und geht nach Freiburg, wo er wohnt. Er ist Freiberufler und als KI-Berater tätig; sein „Büro“ hat er in der Hosentasche immer dabei. Er wirkt sehr entspannt und ich fand ihn sehr sympathisch. Eine interessante Begegnung – und vielleicht nicht die letzte. Wer weiß.
Auf dem Rastplatz mache ich eine Pause und esse meine Brotzeit. Da es hier auch Wasser gibt, koche ich mir Tee dazu. Es muss ja nicht immer nur kaltes Wasser sein.
Heute werde ich auf einem Campingplatz übernachten. Ich habe einen passenden etwa 20 km hinter Chalon-sur-Saône gefunden. Dort möchte ich heute ankommen.
Unterwegs fängt jedoch meine Kette an, Probleme zu machen. An einigen Stellen bleiben die Kettenglieder zueinander angewinkelt und richten sich dann ruckartig auf. Man kann deshalb nicht richtig rund treten. Das ist mir schon mal vor ein paar Tagen passiert. Damals habe ich diese Stellen durch mehrmaliges Biegen wieder locker gemacht. Diesmal bringt das keine dauerhafte Verbesserung. Zudem macht die Kette ständig quietschende Geräusche und das Kettenöl hilft kaum dagegen. Jetzt reicht es: Die Kette wird ausgetauscht.
In Chalon-sur-Saône gibt es einen Fahrradladen, der bis 18:30 Uhr geöffnet hat. Ich muss die Route verlassen und durch die Stadt zu dem Laden fahren. Die Stadt ist größer als ich dachte und es hat länger gedauert. Zehn Minuten vor Schluss war ich dort. Rechtzeitig!
Für den ursprünglich ausgesuchten Campingplatz ist es jetzt zu spät. In Chalon-sur-Saône gibt es aber auch einen. Das passt gut. Um sieben Uhr bin ich am Campingplatz angekommen. Gerade noch genug Zeit, um das Zelt aufzubauen und die Kette zu wechseln, bevor die Sonne untergeht und es kälter wird.


Alles wie geplant geschafft. Jetzt nur noch duschen und dann schlafen. Essen mag ich heute nicht mehr.
