Tag 7 – bis Braunschweig

Um 9:15 verlasse ich das Hotel. Meine Route führt mich weiter durch Nordhausen – eine Stadt, die überraschend groß ist. Was ich nicht erwartet hatte: zahlreiche Baustellen, die mich zu einigen Umwegen zwingen. Orientierung ist gefragt.

Erst gegen 10 Uhr habe ich die Stadt endgültig hinter mir gelassen. Ab jetzt kann der Tag richtig beginnen – hoffentlich mit weniger Umleitungen.

Nach etwa 27 Kilometern erreiche ich eine geschichtsträchtige Stelle: Hier verlief einst die innerdeutsche Grenze. Ein unscheinbarer Ort – und doch voller Bedeutung. Ab hier beginnt Niedersachsen, genauer gesagt der Landkreis Göttingen. Und mit jedem Kilometer spüre ich: Ich nähere mich langsam dem Harz. Die Landschaft verändert sich, wird waldreicher, die Hügel rücken näher.

Die Radwege verlaufen meist abseits der Straße – als Schotterwege, oft länger und mit mehr Steigungen als die Straßen für Autos. Nach ein paar Versuchen entscheide ich mich schließlich, lieber auf der Straße zu fahren. Es ist direkter und weniger kräftezehrend. Leider ist das nicht überall möglich. Einige Abschnitte zwingen mich zurück auf schwieriges Gelände. Ich komme langsamer voran, und es kostet mich spürbar Zeit und Kraft.

In Drei Annen Hohne komme ich an einer Station der Brockenbahn vorbei. Hier werden die Waggons tatsächlich noch von einer echten Dampflok gezogen – ein Anblick wie aus einer anderen Zeit, mit Zischen, Rattern und dem Geruch von Kohle in der Luft.

Direkt neben dem Bahnhof gibt es einen Imbiss. Auf dem Schild steht „Bohnensuppe“ – und das spricht mich sofort an. Ich nehme eine Portion mit Wurst, um meinen inzwischen großen Hunger zu stillen. Bei dieser Reise habe ich mich ein Stück weit von der vegetarischen Küche entfernt. Der Körper verlangt, was er braucht – und manchmal ist das eben eine herzhafte Suppe mit Wurst.

Heute fühle ich mich deutlich besser als gestern. Die Nacht im Hotel hat mir richtig gutgetan – ein weiches Bett, eine warme Dusche, ein bisschen Abstand vom Zeltleben.

Nach dem Verlassen des Harzes läuft es spürbar leichter. Die Strecke ist flacher, ich komme schneller voran. Ich versuche, so viel Strecke wie möglich zu machen. Trotzdem wird es wohl wieder nichts mit dem ursprünglich geplanten Tagesziel.

Ich frage Google nach Campingplätzen in der Nähe – und finde einen in Braunschweig. Dort möchte ich heute noch ankommen. In Wolfenbüttel, kurz vor 20 Uhr, kaufe ich mir noch etwas fürs Abendessen. Kurz nach 21 Uhr erreiche ich den Campingplatz – müde, aber froh, ein Ziel gefunden zu haben.

Es ist kein Campingplatz sondern ein einfacher Zeltplatz bei einem Reitstall, ruhig und abgelegen. Heute bin ich der einzige Gast hier. An der Infotafel hängt eine Telefonnummer zur Anmeldung. Ich rufe an, wie angegeben, und bezahle die Übernachtung in einem der Häuser auf dem Gelände.

Jetzt nur noch das Zelt aufbauen und sich waschen. Als Kontrast zu gestrigen Hotelnacht gibt es hier keine Dusche, nur ein einfaches Waschbecken. Aber immerhin: warmes Wasser. Für eine gründliche Katzenwäsche reicht es – und mehr braucht es heute auch nicht.

Ich bin müde und es ist spät. Und Hunger habe ich auch keinen mehr. Aus dem geplanten Abendessen wird wohl einfach das Frühstück von morgen.